Wer an dornigen Sträuchern nach Früchten sucht, denkt meist sofort an die klassische Schlehe. Doch wer mit geschultem Blick durch alte Kulturlandschaften oder lichte Waldränder streift, kann mit etwas Glück auf eine echte botanische Rarität stoßen: die Schlehenpflaume, bei uns besser bekannt als Zibarte.
Sie gilt als eine der ältesten Urformen unserer heutigen Kulturpflaume – und genau so ein wildes Relikt hat sich unser Guide Udo neulich vorgeknöpft, geerntet und natürlich direkt verkostet.
Im Gegensatz zur überzüchteten Supermarkt-Pflaume ist die Zibarte klein, rund und fest – je nach Typ gelblich-grün oder blau bereift. Und wie schmeckt das Urgestein?
„Ein echter Geschmacks-Knall!“, grinst Udo. „Bitter. Aber auch süß, intensiv fruchtig, mit einer feinen Gerbsäure und einer würzigen Mandel-Note im Abgang. Man schmeckt sofort, dass hier noch die Urkraft der Natur drinsteckt.“
Weil das Fruchtfleisch fest am Stein sitzt, erfordert die Verarbeitung ein bisschen Geduld – belohnt wird man aber mit einem Aroma, das modernen Pflaumen meilenweit überlegen ist. Udos kulinarische Pläne für die Ausbeute:
Die Schlehenpflaume, bei uns besser bekannt al Zibarte mit Udo
Durch ihre angenehme Säure ist die Schlehenpflaume der perfekte Partner für deftiges Fleisch. Eingekocht als würziges Zibarten-Chutney mit Zwiebeln, frischem Ingwer, Senfsaat und etwas Chili passt sie genial zu Wildschweinbraten oder über der Glut geröstetem Fleisch.
Zibarten haben einen hohen Pektingehalt und gelieren fantastisch. Udos Favorit: Samtige Zibarten-Konfitüre, verfeinert mit einem Hauch Zimt und Sternanis. Auch als säuerlich-süßes Kompott zu Ziegenkäse oder frischem Brot aus dem Dutch Oven eine absolute Wucht.
Ganz nach alter Bushcraft- und Vorfahren-Tradition: Halbiert auf dem Dörrgitter über der Restglut getrocknet, wird die Schlehenpflaume zu aromatischem Dörrobst – ideal als energiereicher Snack auf langen Trekkingtouren.
Im Schwarzwald wird daraus der legendäre Zibärtle-Edelbrand gebrannt. Udo setzt fürs Camp eine handvoll vollreife Früchte mit Kandis, Nelken und gutem Korn an – der perfekte wärmende Schluck am Lagerfeuer, wenn im November die Kälte in die Schlafsäcke kriecht.
„Bild: Instagram — Wildnisreisen.net (Klick öffnet externen Link zu Instagram)
Altes Wissen neu entdecken und schmecken, wie Natur früher geschmeckt hat: Genau dafür lieben wir das Draußensein.
Kennt ihr die Zibarte noch aus alten Bauerngärten oder seid ihr ihr schon mal in freier Natur begegnet? Was landet bei euch aus dem Spätsommerwald im Kochtopf?