Das Gesetz der Käl­te: Sai­son­auf­takt beim Win­ter­bi­wak in Rhein­land-Pfalz

24. Janu­ar

Es gibt eine beson­de­re Art von Stil­le, die nur der Hoch­win­ter kennt. Es ist eine Stil­le, die nicht leer ist, son­dern schwer vor Käl­te und Erwar­tung. Am 24. Janu­ar war es end­lich so weit: Der offi­zi­el­le Sai­son­auf­takt für unse­re Trup­pe stand an. Wäh­rend die meis­ten Men­schen den Janu­ar als den „toten Monat“ bezeich­nen, in dem man sich am bes­ten zu Hau­se ver­kriecht, zieht es uns gera­de dann hin­aus.

Es ist die Zeit der Wahr­heit. Im Som­mer kann jeder drau­ßen schla­fen; im Janu­ar braucht es Cha­rak­ter, Erfah­rung und die rich­ti­ge Aus­rüs­tung. Nor­ma­ler­wei­se sind wir eine Trup­pe von Indi­vi­dua­lis­ten. Doch dies­mal war alles anders. Wir woll­ten gemein­sam star­ten. Das Wet­ter war auf unse­rer Sei­te – „Bom­be“, wie Ratz es nann­te. Ein stahl­blau­er Him­mel, tro­cke­ne Luft und eine Käl­te, die so schnei­dend war, dass sie jede Müdig­keit sofort aus den Kno­chen ver­trieb.

Das Lager über dem Abgrund

Unser Ziel war ein Ort mit Geschich­te und Weit­blick: Ein Pla­teau ober­halb eines ehe­ma­li­gen Stein­bruchs in Rhein­land-Pfalz. Als wir das Lager auf­schlu­gen, lag uns die Welt zu Füßen. Die Aus­sicht war phä­no­me­nal, doch ein erfah­re­ner Bush­craf­ter weiß, dass eine gute Aus­sicht oft mit Wind­an­fäl­lig­keit erkauft wird.

Tarp-Aufbau am Steinbruch
Ein Tarp bau­en bei Frost ist eine Übung in Geduld und Fein­mo­to­rik.

Ein Tarp bau­en bei Frost ist eine Übung in Geduld und Fein­mo­to­rik. Die Fin­ger wer­den steif, die Schnü­re wider­spens­tig. Doch wir arbei­te­ten Hand in Hand. Wir nutz­ten die natür­li­chen Gege­ben­hei­ten der Fels­kan­te und die umlie­gen­den Bäu­me, um eine Bar­rie­re gegen den eisi­gen Ost­wind zu schaf­fen. Es ist die­ses Gefühl von Selbst­wirk­sam­keit, das uns immer wie­der antreibt: Mit nichts als einer Pla­ne und ein paar Kno­ten erschaffst du dir in einer feind­li­chen Umge­bung ein siche­res Zuhaus.

Piets medi­ta­ti­ve Glut: Die Kunst des Löf­fel­bren­nens

Sobald die Basis stand, gab es für Piet kein Hal­ten mehr. Er ist der Unru­he­herd der Grup­pe – im posi­tivs­ten Sin­ne. Sein Pro­jekt für die­ses Biwak: Ein gebrann­ter Holz­löf­fel aus einem mas­si­ven Stück tro­cke­ner Eiche. Das Löf­fel­bren­nen ist eine archai­sche Tech­nik des Bush­craft. Anstatt das Holz müh­sam mit einem Schnitz­mes­ser aus­zu­höh­len – was bei gefro­re­ner Eiche ohne­hin eine Her­ku­les­auf­ga­be wäre –, nutzt man die kon­trol­lier­te Zer­stö­rungs­kraft der Glut.

Glut auf Eichenholz beim Löffelbrennen
Der Kon­trast zwi­schen dem wei­ßen Frost am Boden und der tief­ro­ten Glut im dunk­len Eichen­holz zog uns alle in den Bann.

Piet saß dort, stun­den­lang, fokus­siert auf die­sen einen Punkt. Sol­che Momen­te defi­nie­ren unse­re Wochen­en­den: Die Rück­be­sin­nung auf ein Tem­po, das die moder­ne Welt längst ver­ges­sen hat.

Zusam­men­halt und die Out­door-Fami­lie

Mit­ten unter uns war Jür­gen. Er ist kein Hard­core-Sur­vi­va­list, er kennt nicht jeden latei­ni­schen Namen der Pil­ze, und er besitzt viel­leicht nicht das teu­ers­te High-End-Equip­ment. Aber er ist das Herz der Trup­pe. Es zeigt uns immer wie­der, dass Sur­vi­val mehr ist als nur das Beherr­schen von Tech­ni­ken. In einer Extrem­si­tua­ti­on ist der Zusam­men­halt der Grup­pe wich­ti­ger als jedes Werk­zeug. Er erin­nert uns dar­an, war­um wir das alles machen: Nicht um zu lei­den, son­dern um gemein­sam zu wach­sen.

Die kuli­na­ri­sche Revo­lu­ti­on: Wild und Feu­er

Ratz hat über den Win­ter eine neue Exper­ti­se ent­wi­ckelt, die unse­re Camp­kü­che auf ein völ­lig neu­es Level geho­ben hat. Er beschäf­tigt sich inten­siv mit dem Weid­werk und der Ver­wer­tung von Wild­bret unter ein­fachs­ten Bedin­gun­gen. Ein Lager­feu­er ist weit mehr als eine Wär­me­quel­le; es ist ein Herd, ein Ofen und ein Ver­samm­lungs­ort.

Gusseiserner Topf über dem Lagerfeuer
In einem schwe­ren guss­ei­ser­nen Topf köchel­te über Stun­den ein Reh-Ein­topf.

In einem schwe­ren guss­ei­ser­nen Topf köchel­te über Stun­den ein Ein­topf aus Reh­fleisch, Wur­zel­ge­mü­se und kräf­ti­gen Kräu­tern. Bei ‑5 Grad Cel­si­us einen damp­fen­den Tel­ler mit fri­schem Wild-Ein­topf in den Hän­den zu hal­ten, ist eine Erfah­rung, die man nicht beschrei­ben kann – man muss sie rie­chen und schme­cken. In die­sem Moment war der Hun­ger unser bes­ter Koch, und das Feu­er unser treu­es­ter Gefähr­te.

Die Phi­lo­so­phie der Gemein­schaft unter Ster­nen

Wir spra­chen viel über die rich­ti­ge Aus­rüs­tung für sol­che Näch­te. Es gibt kei­nen Platz für Feh­ler, wenn der Boden gefro­ren ist. Jeder von uns hat sein eige­nes Sys­tem per­fek­tio­niert, sei es das Schla­fen mit einem wär­men­den Schaf­fell oder der Platz am Feu­er mit der Pflicht, nachts nach­zu­le­gen. Die­se Gesprä­che sind das Gold unse­rer Tref­fen.

Als die Dun­kel­heit über den Stein­bruch her­ein­brach, saßen wir am Feu­er, die Gesich­ter rot von der Hit­ze, die Rücken kalt vom Frost. Es ist die­ser ewi­ge Dua­lis­mus der Natur, den wir so lie­ben.

  • Ant­je war­tet auf den Früh­ling: Im März wird sie zur Küchen­che­fin, wenn die ers­ten ess­ba­ren Wild­kräu­ter aus dem Boden schie­ßen. Wir pro­phe­zei­en eine span­nen­de Küchen­schlacht zwi­schen ihr und Ratz.
  • Fazit des Biwaks: Am Ende waren wir alle gezeich­net von der Käl­te, dem Rauch und der Anstren­gung. Aber wir haben bewiesen,dass wir als Team funk­tio­nie­ren.

Drau­ßen zu Hau­se: Ob wir nun Löf­fel bren­nen, Wild zer­le­gen oder ein­fach nur die Aus­sicht genie­ßen – egal wie kalt es wird, das Feu­er in uns brennt hei­ßer als jeder Frost.

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Ste­fan Schwa­be